Lebenslauf

Geboren wurde ich 1941 in Königsberg/ Ostpreußen. Meine Mutter Dorothea Neumann konnte mit mir nichts anfangen. Da sie nicht verheiratet und mein Vater unbekannt war, gab sie mich zu einer ihrer Tanten in Pflege, da diese in ihrer Ehe kinderlos war.

In Königsberg

So verbrachte ich meine ersten drei Jahre in Königsberg und die Welt war in Ordnung. Doch es war Krieg, der immer näher kam. Deshalb entschloss sich meine Tante und Onkel nach Zittau zu ziehen, da dort die Mutter vom Onkel lebte und wir das ganze Hab und Gut mit der Reichsbahn befördern konnten, denn Opa war bei der Reichsbahn und kannte sich aus. Unterkunft in Olbersdorf  in einem Gasthof gefunden. Doch der Krieg kam näher und mit ihm die Russen. Die erste Welle des Angriffs überrollte uns in einem Kanaltunnel der unter einer Strasse im Wald lag. Mehrere Tage im Wald verbracht . Danach wieder in den Ort  und die Russen durchsuchten alle Häuser. Unsere eingepackten Sachen im Keller wurden durchwühlt und das ganze Kristall und Geschirr zerschlagen. Nach einer Weile durften wir in eine  einem Maschinenfabrikant gehörende Villa  mit unseren Habseligkeiten umziehen. Wir hatten zwei Zimmer mit Küchenmitbenutzung. Die Zeiten normalisierten sich, ich wurde in Olbersdorf eingeschult.  Meine Schulhefte mit Grohtewohl und Pick Porträt markierte ich mit dem Namen Stutzke, da ja Tante und Onkel, die ich als meine Eltern ansah, ja auch so hiessen. Die Rüge einer freundlichen idiotischen Lehrerin brachte mir den Ernst des Lebens nahe, in dem sie mich anfauchte, wie ich dazu komme Stutzke zu schreiben und nicht Neumann, da ich doch gar keine Eltern habe. Das laut vor der ganzen Klasse. Somit erfuhr ich die Wahrheit, daß ich ein Bangert war und noch nicht einmal ein Elternteil  hatte. Meine Tante suchte bald den Freitod und ich kam zu ihrer Schwester Helene nach Mölln. Dort begann ein neues Leben. Schulspeisung und Lebertran weiterhin kleine Wohnung. Meine leibliche Mutter hat sich zwischenzeitlich nach England begeben und einen Elektroingenieur nahmen’s Benny Hawks geheiratet und lebt in Peterborough. Wenn er schon gestorben ist hat er von Mutters Geheimnis nie etwas erfahren. Onkel Heinz , Helenes Mann arbeitete bei Mannesmann im Wasseleitungsbau, obwohl  er Metzger von Beruf war. Schleswig-Holstein war voller Flüchtlinge und so gab es ein Umsiedlungsprogramm das uns in die Pfalz  nach Burgalben verschlug. Dort wieder Einquartierung und ein Zimmer, bis auf der Moschelmühle eine kleine Wohnung an der Kornmühle frei war. Idyllisches Landleben , nur der Weg zur Schule war weit und das natürlich jeden Tag zu Fuss. Die Schule war klein. Vier Klassen in einem Raum und katholisch und evangelisch getrennt. Die Schule habe ich überstanden Herrn Schröer und Herrn Dierry auch. Meine Lehre begann ich bei Meerheim & Co in Pirmasens-Nord. Ausgelernt und bald zwei Jahre Bundeswehr absolviert des Geldes wegen. Nach dem Bund verkaufte Herr Meerheim bald seine Fabrik mit Inventar an die Fortunawerke Stuttgart. Das ging nicht lange gut und die Firma wurde nach Stuttgart verlegt. Mich nahm man nicht mit, ich war für Herrn Schanz nicht untertänigst genug.  An die Firma Sand wollte man mich vermitteln zur Akkordarbeit. Inzwischen lernte ich auch Hedi kennen. Zum Glück fand ich den Absprung und fing bei Schäfer und Söhne in Pirmasens an. Danach bekam ich das Angebot im Kernkraftwerk in Kahl anzufangen. Die Chance nahm ich war und arbeitete danach im Heissdampfreaktor in Kahl. Die Zukunft sah gut aus und ich heiratete Hedi. In Regensburg machte ich in 11 Monaten meinen Meister im Maschinenbau. Danach Umzug nach Biblis und ich arbeitete im  Block A und Block B, insgesamt 34 Jahre in Kernkraftwerken.  Zwischenzeitlich verstarb meine Pflegemutter und Grosstante Helene, sicher aus Aufregung und Ärger, da meine Tante Christel zu Besuch da war und sich rührend um beide sorgte, besonderst um Onkel Heinz. Nach Helenes Tot hätten wir ihn gerne bei uns gesehen, doch er zog es vor mit Tante Christel nach Eckernförde zu ziehen und dort sein Geld und Erbe zu lassen. Ich habe die Urne nach 14 Tage Postlagerung dann endlich zur Bestattung bekommen. Das war es. Nun bin ich Rentner und widme mich nur noch Dinge die mir gefallen und Spass machen.
2009 hat sich die Vergangenheit in Form eine Cousine gemeldet und mir mitgeteilt, dass meine Mutter und Tante Christel  vor 2 Jahren verstorben sind.....     
 

Hajo Wein. b jpg